Zwergbartagamen sind - wie alle Bartagamen - Tiere, die in den australischen Wüsten beheimatet sind.
Daraus ergibt sich schon der wesentliche Aspekt der
Haltung: Das Terrarium sollte als Wüstenterrarium eingerichtet
sein und somit auch mit entsprechend starken Lichtquellen -
insbesondere einer recht hohen Dosis an UV-Strahlung
versehen werden, welche über spezielle UV-Röhren oder Strahler hergestellt
wird.
Meine Henrylawsoni wohnen in einem Terrarium mit den Maßen 100(B) x 60(T) x
60(H), welches 2-3 Tieren genug Platz bietet. Hierbei sollte darauf geachtet
werden, dass es bei mehreren Männchen zu Revierkämpfen kommen kann!

Das Wüstenterrarium meiner "Henrys"
Das Terrarium wird von zwei 60W Strahlern beheizt,
zusätzlich sind zwei Leuchtstoffröhren angebracht: eine "normale"
für Licht und eine spezielle UV-Röhre mit hoher UV-Ausbeute (ReptiSun
8.0).
Über Zeitschaltuhren werden um 08:00 Uhr die Strahler eingeschaltet, die
Leuchtstoffröhren dann ab 12:00 Uhr. Um 21:00 Uhr schalten sich die
Leuchtstoffröhren wieder ab, und um 22:00 Uhr erlöschen dann auch die Strahler
zur Nachtruhe. Bei der Montage der UV-Leuchtstoffröhren gilt zu bedenken, dass
Glas UV-Licht kaum durchlässt! Daher müssen diese entweder im Terrarium
angebracht werden oder oberhalb der Belüftungsfläche, so dass genug UV-Licht
in das Terrarium dringen kann. Die Reichweite der UV-Strahlung ist bei
Leuchtstoffröhren recht niedrig, sie sollten nicht weiter als 50cm vom
Bodengrund angebracht werden. Durch künstliche Kletterwände kommen die Tiere
der UV-Strahlungsquelle jedoch wesentlich näher. Zusätzlich bekommen meine
Agamen 1-2 Mal pro Monat eine Extra-Dosis UV-Licht durch eine Osram
Ultravitalux-UV-Lampe. Diese sondert ein sehr hohes Maß an UV-Strahlung ab,
ähnlich einer Sonnenbank. Daher sollte ein Mindestabstand von 1m zu den Tieren
nicht unterschritten (Gefahr für die Augen der Tiere!), und auch eine Dauer von
15-20 Minuten nicht überschritten werden.

Die Zuchtgruppe (links zwei Weibchen, rechts das Männchen) auf dem
Sonnenplatz unter einem Strahler
Die Temperaturen sollten in einem Wüstenterrarium recht hoch sein. Eine Durchschnitts-Temperatur (messen Sie an Stellen, die nicht im Lichtkegel eines Strahlers liegen, und auch nicht direkt am Boden!) von 25-27°C ist jedoch absolut ausreichend. Im Terrarium sollten Stellen mit unterschiedlichen Temperaturen herrschen, so dass die Tiere sich die gewünschte Temperaturzone selbst aussuchen können. So kann direkt im Lichtkegel eines Strahlers auch eine Temperatur von mehr als 45°C herrschen, gerne nutzen die Agamen solche Stellen als Wärmeplätze. Nachts, ohne Beleuchtung, sinken die Temperaturen auf Zimmertemperatur ab. Ich habe bei dem Henrylawsoni-Terrarium auf zusätzliche Heizkabel oder -matten verzichtet.
Als Bodengrund kommen diverse Materialien in Frage, bei
diesem Thema scheiden sich oft auch die Geister der Reptilien-Liebhaber:
Typischer Bodengrund für ein Wüstenterrarium ist Sand. In Zoo-Fachgeschäften
bekommt man speziellen Reptiliensand, der bereits keimfrei gemacht wurde, in
diversen Färbungen, von Rot über Gelb bis Grau. "Sandkastensand"
schont zwar die Kasse des Besitzers, allerdings sind die Sandkörner oft
scharfkantiger und können zu Augenproblemen bei den Agamen führen! Auch neigt
Sand dazu, bei Feuchtigkeit zu verklumpen, was zu Magenproblemen oder gar unter
Umständen tödlich endenden Darmverstopfungen bei den Tieren führen kann, wenn
sie zuviel vom Bodengrund verschlucken - zum Beispiel bei der Fütterung.
Auch Kies kommt als Bodengrund in Frage und passt optisch zum Thema
"Wüste". Es sollte allerdings bedacht werden, dass Agamen gerne
graben - und das können Sie nicht, wenn das gesamte Terrarium mit Kies
ausgelegt ist. Ich gebe zu bedenken, dass sowohl Sand als auch Kies den Nachteil
eines sehr hohen Gewichts haben!
In meinem Terrarium verwende ich zur Zeit eine Mischung aus Blumenerde (ungedüngt!!!) und Sand. Holz- oder Rindenstücke sollten aus der Blumenerde entfernt werden, da Holz unverdaulich ist, und ebenso wie der Sand zu gefährlichen Magen- Darmproblemen bei den Tieren führen kann.
Der Bodengrund sollte 5-15 cm hoch aufgefüllt werden,
damit die Agamen graben können. Insbesondere ist das wichtig, wenn ein Weibchen
trächtig ist, und die Eier ablegen will. Findet es keine geeignete (tiefer,
leicht feuchter Bodengrund) kann es zu Legenot und damit schlechtestenfalls zum
Tode des Weibchens kommen!
Um das Gewichtsproblem mit dem Bodengrund zu reduzieren, hatte ich lange Zeit
den Bodengrund nur ca. 5cm hoch aufgefüllt und kurz vor der Eiablage eine tiefe
Schüssel mit Sand-Erde-Gemisch in das Terrarium gestellt. Inzwischen
habe ich mit einer 15cm hohen Trennscheibe, die ich nachträglich mit
Aquariensilikon in das Terrarium eingebracht habe, ca. 20% der Bodenfläche
abgetrennt. An dieser Stelle habe ich eine Bodengrund-Füllhöhe von 15 cm, im
restlichen Terrarium nach wie vor nur ca. 5 cm.
Da insbesondere Henrylawsoni-Bartagamen gerne klettern, habe ich aus Styropor und Fliesenkleber eine künstliche Stein-Rückwand gebaut. Eine solche Rückwand hat neben dem optischen Reiz für den Betrachter durch mehrere Ebenen auch den Vorteil, die Aktionsfläche der Tiere zu erhöhen und somit die Grundfläche des Terrariums quasi zu verdoppeln. Die "Felsvorsprünge" werden von meinen Tieren gerne und häufig genutzt. Weiterer Vorteil ist die größere Nähe der Tiere zu der UV-Leuchtstoffröhre. Äste zum Klettern, Höhlen zum Verstecken und ggf., ein paar Grünpflanzen (ungiftig!) und künstliche Kakteen (künstlich wegen der Stacheln!) komplettieren die Einrichtung

Adultes Männchen auf einem künstlichen Felsvorsprung aus
Styropor und Fliesenkleber
Ein Wassernapf mit frischem Trinkwasser darf auch in einem Wüstenterrarium nicht fehlen. Agamen sind es aber anscheinend eher gewohnt, Tauwasser oder Wasser von kleinen Rinnsalen abzulecken - daher kann es vorkommen, dass manche Tiere den Wassernapf zum Trinken nicht annehmen; das ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Neben einem immer gefüllten Wassernapf tränke ich daher meine Agamen zusätzlich mit Hilfe einer Pipette, indem ich ihnen Wasser auf die Nase tropfe. Nach kurzer Zeit fangen sie dann an, die Tropfen aufzulecken. Wenn die Tiere die Pipette erst einmal gewöhnt sind, ist es auch ein leichtes, über diese Methode zusätzliche Flüssig-Vitamine (Reptilienbedarf) zu verabreichen.
Im Vergleich zu den großen Bartagamen habe ich den Eindruck, dass Henrylawsonis eher fleischliche Kost der vegetarischen Nahrung vorziehen - insbesondere als Jungtiere gehen sie eher selten an angebotenes Grünzeug! Gefüttert werden meine Agamen von der Pinzette - so behalte ich die genaue Übersicht, welches Tier wie viel gefressen hat. Alternativ kann natürlich auch eine Fressschale benutzt werden. Verfüttert werden bei Jungtieren zuerst Wachsmottenlarven, dann kleine Mehlwürmer, bei adulten Tieren Zophobas. Natürlich wird auch immer wieder Grünzeug aller Art angeboten (diverse Salatarten, Möhren, Gurke...). Die Jungtiere werden jeden Tag gefüttert, die adulten Tiere haben 1-3 Fastentage die Woche und auch teilweise reine "Salat-Tage", damit die Tiere nicht verfetten. Mit Heimchen habe ich persönlich schlechte Erfahrungen gemacht, da sie sich in Ritzen und Spalten verstecken, von den Agamen nicht gefunden werden und unter Umständen sogar des Nachts schlafende Jungtiere anfressen! Zudem fressen die Grillen wirklich alles an, was nicht niet- und nagelfest ist. So wurde eine meiner Rückwände angefressen und mit Gängen ausgehöhlt. Als Angriffspunkt dienten Stellen, an denen der Fliesenkleber nicht 100%ig sorgfältig aufgetragen war. Besser sind da Steppengrillen oder Heuschrecken, die suchen nicht gleich dunkle Ecken auf und verstecken sich...

Jungtier einer Zwergbartagame im Aufzucht-Terrarium mit rotem
Sand
Im Herbst zeigen adulte Tiere oft von allein an, wann es Zeit für eine kleine Winterruhe ist. Oft stellen sie das Fressen ein, und ziehen sich an dunkele Ecken des Terrariums zurück und schlafen viel. Dann werden die Tiere noch einmal in handwarmem Wasser gebadet, um den Darm zu entleeren, ein paar Tage später werden die Wärmestrahler ausgemacht. Bei Zimmertemperatur schlafen meine Agamen meist 4-8 Wochen, dann werden die Wärmestrahler wieder angemacht. Ab und an sind die Tiere in der Zwischenzeit kurzzeitig wach, z.B. um etwas zu trinken, daher sollte immer dafür gesorgt sein, dass frisches Wasser vorhanden ist.
Wenn die Tiere zu einer anderen Zeit als im Herbst/Frühwinter über mehrere Tage nicht fressen, sollten die Alarmglocken schellen und das Tier gut beobachtet werden: Generell ist es ein schlechtes Zeichen, wenn Reptilien längere Zeit nicht fressen! Generell rate ich in diesem Falle zum Besuch eines reptilienerfahrenen Tierarztes. Als "erste Hilfe" kann man es evtl. mit einem handwarmen Bad und der Verabreichung von ein paar Tropfen Öl versuchen, um eine mögliche Verstopfung selbst zu kurieren.
Auf Reptilien spezialisierte Tierärzte in und um
Bielefeld sind:
Dr. Silvia Blahak, Hermannstr. 1, 32756 Detmold, Tel: 05231/911640
FAQ zu (Zwerg)-Bartagamen
An dieser Stelle möchte ich auf ein paar Fragen eingehen, die ich oft gestellt bekomme.
Ich habe gehört, Bartagamen sind ideale "Einsteigertiere"?
Aus meiner Sicht gibt es keine "typischen Einsteigertiere". Bei jedem Tier kann man als Einsteiger in das Hobby Fehler machen, die auf Kosten der Tiere gehen - so auch bei Bartagamen. Daher empfehle ich immer unbedingt die Anschaffung von Literatur zu der jeweiligen Tierart VOR der Anschaffung der Tiere. Am besten nicht nur ein Buch, sondern besser zwei oder drei.
Allerdings stimmt es, dass Bartagamen sehr zahm, besser: zutraulich werden. Es ist daher kein Problem, die Tiere auch einmal aus dem Terrarium herauszunehmen und auf die Hand zu nehmen. Ein Gecko z.B. wird niemals so zahm werden wie eine Bartagame und lässt sich absolut ungern anfassen.
Auch die Vermehrung ist bei Bartagamen relativ unproblematisch.Stimmt es, dass man keine zwei Männchen zusammen halten kann?
Das ist bei vielen Reptilien in der Tat ein Problem, da es Revierkämpfe geben kann, wobei das dominante Tier das unterlegen beißt. Das unterlegene Tier erkennt man auch daran, dass es sich im Terrarium oft auf die Hinterbeine an eine Wand "stellt", also so weit wie möglich zu flüchten versucht.
Dies ist auch bei Zwergbartagamen oft so - allerdings habe ich auch schon erlebt, dass zwei Männchen harmonisch zusammen leben.Insbesondere bei Pogona henrylawsoni soll es ein Inzucht-Problem geben?
In der Literatur liest man tatsächlich immer davon. Das Inzuchtproblem soll sich in verkrüppelten Schwänzen und/oder Wirbelsäulenproblemen äußern. Über die ersten Jahre hinweg bestand meine Zuchtgruppe jedoch aus 3 Geschwistertieren, und ich konnte keinerlei Probleme feststellen - die Tiere waren fit, munter und gesund - Nachzuchten von nicht blutsfremden Tieren müssen also keineswegs ein Problem darstellen. Dennoch habe ich mir inzwischen aus anderen Landesteilen Tiere nachgekauft, um frisches Blut in "meine Bielefelder Linie" zu bekommen.Kannst Du mir von den Nachzuchten eine Gruppe von 2 Weibchen und 1 Männchen auswählen?
Nein, das geht nicht. Wenn die Jungtiere abgegeben werden (ca. im Alter von 3-4 Wochen) ist es unmöglich, das Geschlecht zu bestimmen - wer etwas anderes behauptet, muss Hellseher sein!
Das Geschlecht lässt sich erst einigermaßen sicher im Alter von einem Jahr bestimmen, aber so lange behalte ich die Tiere in der Regel nicht. Wer also eine Gruppe haben will, muss einfach mehrere Tiere kaufen und, wenn zu viele Männchen dabei sind, diese weiterverkaufen.Gibt es Besonderheiten bei den Jungtieren zu beachten?
Ja, gibt es allerdings. Daher habe ich zu diesem Thema eine weitere kleine Seite erstellt, wo die am häufigsten gestellten Fragen abgehandelt werden:
Aufzucht und Haltung von Jungtieren von Pogona henrylawsoni(Zwergbartagame)
Das Informieren auf Internetseiten sollte keinesfalls die Anschaffung "richtiger" Literatur vor der Anschaffung der Tiere ersetzten. Hier eine kleine Zusammenstellung von Büchern zum Thema. Leider gibt es kein Buch allein über Pogona henrylawsoni, allerdings lassen sich 95% der Aspekte über Bartagamen verallgemeinern, so dass ich auf jeden Fall zur Anschaffung eines - oder besser mehrerer - Bücher über Bartagamen rate.